Die hintergründe verstehen

Die Geschichte des Ersten Weltkriegs lässt sich nicht auf eine Abfolge von Schlachten entlang der Front beschränken. Auch fern der Kampfzonen erlebte die Zivilbevölkerung die Präsenz der alliierten Soldaten oder erduldete das harte Joch der Besatzer. Nach Ende des Krieges wurden die Städte wieder aufgebaut und Erinnerungsstätten errichtet. Die hier versammelten Artikel geben einen tieferen Einblick in diese und andere Aspekte, die das Gesamtbild des Ersten Weltkriegs in der Region formen.


Hier sind weitere einzelheiten über den Ersten Weltkrieg :

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Die Siegfriedstellung und das Unternehmen „Alberich“

Der neue französische Generalchef Nivelle bereitet für das Frühjahr 1917 eine Offensive am Chemin des Dames an der Aisne vor, die den Kriegsausgang entscheidend beeinflussen soll. Ihr soll ein wichtiger britischer Angriff vor Arras vorausgehen. Doch der deutsche Generalstab lässt im Winter 1916–17 enorme Befestigungsarbeiten durchführen: Er hat beschlossen, die Front zwischen Arras und der Aisne durch einen Rückzug auf die Siegfriedstellung, ein mächtiges Befestigungssystem, zu verkürzen. Die „Siegfriedlinie“, von den Alliierten „Hindenburglinie“ genannt, wird innerhalb von sechs Monaten von 500.000 Arbeitern fertiggestellt, unter ihnen auch russische und rumänische Kriegsgefangene, die sehr schlecht behandelt werden. Die Siegfriedstellung hat eine Tiefe von mehreren Kilometern und besteht aus aufeinanderfolgenden, stark befestigten Verteidigungslinien mit breiten Stacheldrahtsperren, Unterständen tief unter der Erde und einer großen Anzahl von Kasematten und Bunkern für Maschinengewehre und Mörser.

 

Innerhalb von vier Tagen, vom 16. bis 19. März 1917, zieht sich die deutsche Armee auf ihre neuen Positionen zurück, nachdem etwa hundert Dörfer und die Infrastruktur in dem Rückzugsgebiet systematisch zerstört worden sind. Straßen, Eisenbahnschienen, Kunstobjekte, Häuser, Kirchen und Fabriken werden gesprengt; die Brunnen mit Chemikalien vergiftet. Die Bäume am Wegesrand, alle Obstbäume werden systematisch gefällt. Ernst Jünger beschreibt die zerstörten Dörfer in der Gegend von Bapaume: „…jedes Dorf ein Trümmerhaufen, jede Straße unterminiert, jeder Brunnen vergiftet, jeder Baum gefällt, jeder Flusslauf abgedämmt, alle Vorräte und Metalle zurückgeschafft, jede Eisenbahnschiene abmontiert, jeder Telefondraht abgerollt, alles Brennbare verbrannt, kurz das Land, das nun besetzt werden soll vom vordringenden Gegner ist schlimmer als die ödeste Wüste…“. Die Zerstörungen des Unternehmens „Alberich“ markieren insofern einen Wendepunkt in der Kriegsgeschichte, als hier erstmals der Wille zum Tragen kommt, ganze bewohnte Gebiete verschwinden zu lassen.

Die Schlacht von Arras

Im Jahr 1917 kommt es im Zuge großräumiger Angriffsoperationen vor Arras und Ypern lokal, so bei Vimy und Messines, zu Kampfhandlungen bislang ungekannter Intensität. Die Schlacht von Arras, die am 9. April 1917 und damit einige Tage vor dem französischen Angriff am Chemin des Dames beginnt, ist eine der wichtigsten Offensiven der britischen Armee an der Westfront, in Umfang vergleichbar mit der Somme-Schlacht oder der dritten Ypern-Schlacht. Sie wird sorgfältig geplant und vorbereitet, so wird zum Beispiel in mittelalterlichen Steinbrüchen unter den Häusern von Arras ein unterirdisches Quartier für 24.000 Mann eingerichtet. In Vimy graben kanadische Einheiten, die für den nördlichen Abschnitt der Offensive verantwortlich sind, ein Dutzend Tunnel, durch die die Angriffstruppen sicher in die vorderste Linie gelangen können.

 

Die Artillerievorbereitung beginnt am 20. März. 2.900 Geschütze stehen bereit, eins für neun Meter Frontlinie – eine doppelt so hohe Konzentration wie in der Somme-Schlacht. Der Infanterieangriff beginnt am 9. April. Nach schnellem Vorrücken in den ersten Stunden, gerät die Offensive östlich von Arras ins Stocken. Der französische Angriff am Chemin des Dames verläuft am 16. April ebenfalls desaströs. Die Kampfhandlungen dauern fast zwei Monate an und führen zu hohen Verlusten. Etwas mehr als 100.000 britische Soldaten (davon 39.000 Tote und Vermisste) werden während der Monate April und Mai 1917 vor Arras außer Gefecht gesetzt. Die British Expeditionary Force verzeichnet eine tägliche Verlustrate von 4076 Mann, deutlich mehr als an der Somme (2.945) und in Passchendaele (2.323).

Der Sieg der Kanadier in Vimy

Am 9. April 1917 rücken 20.000 Kanadier auf dem Plateau von Vimy im Schutz einer Feuerwalze, die alle drei Minuten 100 Meter vorverlegt wird, vor. Bis zum Nachmittag bringen sie trotz hoher Verluste durch Maschinengewehrfeuer den Großteil des Höhenzugs, der bis dahin sämtlichen alliierten Angriffen seit Beginn des Krieges standgehalten hat, unter ihre Kontrolle. Innerhalb von drei Tagen machen sie 4.000 Kriegsgefangene. Die Einnahme des Höhenzugs von Vimy ist ein eindeutiger Erfolg für die Kanadier, auch wenn er teuer erkauft ist: Zwischen dem 9. und 13. April fallen 3.598 kanadische Soldaten; 7.000 werden verletzt. Die Deutschen erleiden ähnlich hohe Verluste. Der Sieg von Vimy ruft in Kanada sofort große Begeisterung hervor und gilt seitdem als einer der Schlüsselmomente der jungen kanadischen Nation.